Was macht eigentlich Thomas Berg?
Was macht eigentlich Thomas Berg?

Veröffentlichung: 03. September 2025

Die Eltern von Thomas Berg stammen zwar aus Minden, er selbst wurde aber nicht hier geboren, wie er lachend sagt: „Ich bin gebürtiger Schalker, und da bin ich stolz drauf.“ Irgendwann zogen die Bergs von Gelsenkirchen wieder nach Minden, genau genommen nach Leteln. Beim SV Weser-Leteln spielte er zunächst Fußball: „Ich war Rechtsaußen und gar nicht schlecht.“ Familie Berg zog weiter nach Dankersen. Thomas blickt zurück: „Wir wohnten direkt neben dem Sportplatz und da waren wir jeden Tag aktiv. Was soll man in Dankersen anderes machen als Handball? Wie ich im Tor gelandet bin, weiß ich nicht mehr.“ Sein jüngerer Bruder Carsten wurde bei Grün-Weiß Dankersen Kreisläufer, später sollten sich die Wege der beiden noch häufiger kreuzen. Thomas Berg stieg zu einem Top-Torwart auf. Er blickt zurück: „Unser Trainer war damals Jochen Simon, und der war den meisten seiner Zunft in jener Zeit in Sachen Professionalität weit voraus. 1978 sind wir mit der A-Jugend gegen Hüttenberg Deutscher Meister geworden, ehe uns der Titel wieder aberkannt wurde. Zu unrecht übrigens. Die Mannschaft trifft sich heute noch regelmäßig.“

Thomas Berg rückte in die erste Mannschaft auf, bildete Ende der 70er Jahre ein Gespann mit Rainer Niemeyer: „Vitomir Arsenijevic war damals Trainer, und Rainer mein großes Vorbild. Von Martin Karcher, der mein Sportlehrer war, habe ich viel gelernt. In der Bundesliga bin ich bei FRISCH AUF! Göppingen erstmals für einen Siebenmeter eingewechselt worden und der Nationalspieler Peter Bucher hat gegen mich verworfen“, blickt er zurück. Im Jahr 1979 gewann Thomas Berg mit Grün-Weiß Dankersen den DHB-Pokal.

Anfang der 80er Jahre war der Platz im GWD-Tor von Rainer Niemeyer und Herbert Pohl besetzt: „Ich wollte aber spielen“, erinnert sich Thomas, „also ging ich zum TBV Lemgo in die 2. Liga. Dort war Herbert Lübking Trainer und drei weitere Ex-Dankerser spielten bereits in der Mannschaft. Dann kam Hotti Bredemeier als Trainer und wir stiegen in der Bundesliga auf.“ Thomas Berg studierte neben der Laufbahn als Leistungssportler BWL in Bielefeld. 1985 kehrte er zu GWD zurück und bildete bis 1988 ein Torwartgespann mit Herbert Pohl. In seinem letzten Profijahr bei GWD kam Jovica Cvetkovic zu GWD Minden, das mittlerweile in der 2. Liga spielte. Das war eine Sensation, denn der jugoslawische Rückraum-Linkshänder galt damals als weltbester Handballer. Thomas Berg erinnert sich: „Er war ein unglaublicher Spieler. Aber eben auch ein Star, und das hat er teilweise heraushängen lassen. Er ließ sich einfach in kein System pressen.“

Zum Ende der Laufbahn und des Studiums wurde Thomas im elterlichen Betrieb, der Recyclingfirma Fritz Berg, gebraucht, aber sein Interessensgebiet war ein anderes: Der Vertrieb und die Vermarktung von Sportprodukten. Unter anderem baute er den schwedischen Hersteller Salming in Deutschland mit auf, schloss von Minden aus Ausrüsterverträge mit Vereinen wie dem Bergischen HC oder der MT Melsungen und war zuletzt für den italienischen Sportbekleidungshersteller Errea mit Sitz in Parma tätig.

Dann kam Corona: „Von einem Tag auf den anderen brach alles weg“, blickt er zurück. Doch Thomas Berg gab nicht auf: „Es war eher Zufall, durch meinen jüngsten Sohn kam ein Kontakt nach China zustande. Ich stieg in das Geschäft mit medizinischen Produkten ein, doch mir war schnell klar, dass Masken und Coronatests keinen langfristigen Erfolg haben würden. Also verlegte ich mich auf den Handel mit medizinischem Verbrauchmaterial für Kliniken. Es läuft, ich kann mich nicht beklagen. Ich mache im Prinzip das gleiche, was ich zuvor mit den Sportprodukten gemacht habe.“

Nach seiner Laufbahn als Handballer spielte er Tennis und Golf, stieg aber Ende der Nullerjahre wieder bei GWD als Jugendkoordinator ein: „Das waren dreieinhalb schöne, erfolgreiche Jahre. Unter anderem haben wir damals auch den heutigen Geschäftsführer Nils Torbrügge nach Minden geholt.“

Zur aktuellen Lage sagt er: „Es ist super, dass GWD wieder in die Bundesliga aufgestiegen ist. Aber das mit der KAMPA-Halle ist ein einziges Desaster, da blutet einem das Herz. In Minden ist es die KAMPA-Halle, in Berlin der Flughafen und in Stuttgart der Bahnhof 21. Ich habe den Eindruck, wir funktionieren in Deutschland nicht mehr so richtig. Es geht nicht mehr um die Sache als solche, sondern es ist alles überreguliert.“

 

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