Viel Aufregung und ein Punkt im Derby
Saison 17/18 Bundesliga Spielberichte | 12. Nov 2017

Was für eine Partie! In einem wahrhaftigen Ostwestfalen-Krimi hat GWD Minden am 12. Spieltag der DKB Handball-Bundesliga in den letzten Sekunden den Sieg aus der Hand gegeben und kurz vor Schluss den 26:26-Ausgleich beim TBV Lemgo kassiert.

Derby-Time in Ostwestfalen! Bereits zu Beginn war in der mit 4.336 Zuschauern gefüllten Lipperlandhalle auf beiden Seiten eine gewisse Nervosität zu spüren. Es waren zwar erst 90 Sekunden gespielt, jedoch vergaben beide Teams bereits beste Möglichkeiten, ehe Marian Michalczik den Torreigen eröffnete. In den Folgeminuten verwarf GWD allerdings einige Bälle, sodass es knapp zehn Minuten bis zum nächsten Gäste-Tor dauerte (11.). Dieser zweite Mindener Treffer bedeutete zudem das 400. Tor in der Handball-Bundesliga von Dalibor Doder! Zu diesem Zeitpunkt lag GWD mit zwei Treffern hinten und sollte es auch erst einmal nicht schaffen, den Spielstand wieder pari zu stellen. Dies geschah erst in der 22. Minute:  Christopher Rambo stieg hoch, warf und mit etwas Glück landete der Ball zum 7:7 im Tor! Doch in der Folge vertändelten die in den weißen Trikots spielenden Gäste wie zu Beginn der Partie zu viele Bälle und schafften es nicht, den Spielstand zu ihren Gunsten herzustellen. Weil jedoch auch das Lipper Offensivspiel von einigen Unkonzentriertheiten durchzogen war, nahm TBV-Coach Florian Kehrmann eine Auszeit – aus Sicht der Gäste leider mit Erfolg. Tim Hornke traf zur 8:7-Führung für die Hausherren. Jene gaben sie bis zum Pausenpfiff auch nicht mehr aus der Hand. Dies lag jedoch nicht unbedingt an der Genialität im TBV-Angriff, sondern viel mehr an den leichtfertig hergeschenkten Möglichkeiten der Grün-Weißen. Zum Seitenwechsel führte Lemgo aus diesem Grund verdient mit 12:9.

Relativ schnell lag GWD nach der Pause mit vier Toren zurück, kämpfte sich aber zunächst bis auf zwei Treffer wieder heran. Einen Schreckmoment gab es in der 37. Minute, als Lemgos Fabian van Olphen zum Wurf ansetzte und der Ball im Gesicht von Espen Christensen landete. Der Mindener Torwart lag danach kurze Zeit benommen auf der Platte, musste ausgewechselt werden und wurde durch Kim Sonne-Hansen ersetzt, der nach mehrwöchiger Verletzung somit zu seinem Comeback kam. Und zu was für einem! Erst parierte der Däne mehrere Lemgoer Versuche und im Angriff trafen die Mindener zugleich zum 15:15! Die Carstens-Sieben spielte nun endlich ihr gewohntes Spiel und ging in der 45. Minute mit 17:16 in Front. Es entwickelte sich fortan ein Spiel, in dem es keine einzige Sekunde zum Verschnaufen gab! Die Unkonzentriertheiten im Angriffsspiel waren wie fortgeblasen und die Tormaschinerie kam ins Rollen! Es stand lange zeit Spitz auf Knopf, ehe in der 57. Minute die erlösende Zwei-Tore-Führung zum 26:24 für Minden auf der Anzeigetafel stand. Die mitgereisten Fans, Spieler und Betreuer auf der Bank und die Sieben Mindener auf der Platte glaubten jetzt noch mehr als zuvor an den Auswärtssieg! Dann musste Miljan Pusica auf die Strafbank und prompt fiel der Anschlusstreffer. Es waren nicht einmal mehr 60 Sekunden zu spielen, Frank Carstens nahm Sonne-Hansen zugunsten eines weiteren Feldspielers aus dem Tor. Peter Johannesson hielt auf der Gegenseite, van Olphen reagierte schnell und warf aus der eigenen Hälfte zum 26:26 ins verwaiste Mindener Tor. Die Lipperlandhalle stand Kopf, die Mindener lagen niedergeschmettert auf dem Boden. Dieses Gegentor war der Schlusspunkt eines mehr als aufregenden Derbys, wie Mindens Sportlicher Leiter Frank von Behren nach der Partie erläuterte: „Das war das aufregendste Derby, das ich je miterlebt habe. Es ist schade, dass die Mannschaft sich nach der starken zweiten Halbzeit nicht mit dem Sieg belohnen konnte. Über die 60 Minuten gesehen, geht die Punkteteilung in Ordnung.“

Stimmen zum Spiel:
Frank Carstens: „In der ersten Halbzeit haben wir in der Defensive sehr gut gestanden, konnten dies aber leider nicht zu unseren Gunsten nutzen. Peter Johannesson hat überragend gehalten und wir hatten Glück, dass wir zur Pause nur mit drei Toren zurücklagen. Nach dem Seitenwechsel war das ein ganz anderes Spiel. Ärgerlich, dass wir kurz vor Schluss den Ball nicht reinmachen. Aber Dalibor Doder hat uns schon sehr oft mit seinen Buzzerbeatern gerettet, heute sollte es eben nicht sein. “

Florian Kehrmann: „Sowohl wir als auch Minden waren auf den Gegner super eingestellt. Leider haben wir zu spät zu unserem Tempospiel gefunden, sodass wir nur mit drei Toren zur Pause führten. Bemerkenswert fand ich die heutige Kulisse. Dies zeigt, wie stark der ostwestfälische Handball momentan ist. “

Torschützen TBV: Tim Suton (5), Christoph Theuerkauf (5), Donat Bartok (4), Tim Hornke (4/2), Patrick Zieker (3), Andrej Kogut (2), Fabian von Olphen (2), Isaias Guardiola (1).
Im Tor: Peter Johannesson (1.-46. und 55.-60. mit 8 Paraden), Piotr Wyszomirksi (46.-55.).

Torschützen GWD: Nenad Bilbija (6), Dalibor Doder (6), Andreas Cederholm (5), Magnus Gullerud (3), Marian Michalczik (2), Miljan Pusica (2), Christoffer Rambo (1), Sören Südmeier (1).
Im Tor: Espen Christensen (1.-37. mit 9 Paraden), Kim Sonne Hansen (37.-60. mit 6 Paraden davon 1 Siebenmeter).

Spielfilm: 1:1 (5.), 3:1 (10.), 5:4 (15.), 7:6 (20.), 9:8 (25.), 12:9 (30.), 15:12 (35.), 15:15 (40.), 18:17 (45.), 20:21 (50.), 24:24 (55.), 26:26 (60.).

Strafminuten: Mansson (12., 21.), Gullerud (16.), Pusica (35., 59.) – Guardiola (19.), Kogut (27.), Bartok (36.).

Zuschauer: 4.336
Schiedsrichter: Robert Schulze und Tobias Tönnies

© GWD Minden – lvs/bra

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