Sommerferien im Mindener Winter
Bundesliga | 09. Mrz 2015

Sonne, Ferien, Easy Living – so sieht der chilenische Sommer in den Monaten Januar, Februar und März aus. Drei junge Handballer verzichten in diesem Jahr darauf: Sie verbringen ihre Ferien im deutschen Winter und hospitieren beim Handball-Bundesligisten GWD Minden.

Die beiden Rückraumspieler Ignacio Vejar und Ignacio Porta aus Santiago de Chile sowie Torwart Matias Canton aus Valparaiso machen Handballferien und lernen nebenbei das Leben in einer deutschen Kleinstadt kennen. Minden sei nett, erklärt Ignacio Vejar, der deutsche Winter ganz in Ordnung: „Das sind kalte Sommerferien. Aber ich dachte, es würde schlimmer“, berichtet der 17-Jährige von seinen Befürchtungen.

In der A-Jugend von GWD trainieren die drei seit Januar mit, bisweilen auch im Drittliga- oder im Bundesligateam. Es gibt zwar sprachliche Barrieren, doch vieler Worte bedarf es beim Sport nicht. „Die können alle drei Handball spielen“, sagt Jugendtrainer Sebastian Bagats über die drei 17-Jährigen und ist froh, dass die Hospitanten keine übermäßige Unruhe im Team verursacht haben: „Sie haben sich nahtlos in das Team eingefügt.“ Vejar und Canton sprechen immerhin Englisch, Porta lediglich Spanisch. Doch die Laufwege beim Training sind schnell verstanden, sogar die ersten Spiele haben sie jetzt absolvieren können. Die Spielerlaubnis ihrer Heimatvereine hatte lange auf sich warten lassen.

Marco Oneto hat den Besuch der chilenischen Handballtalente in Deutschland möglich gemacht. „Das ist ein persönliches Projekt von mir“, erzählt der chilenische Weltenbummler. Die Zeit seines Jahrgangs in der Nationalmannschaft nähere sich dem Ende, erklärt der GWD-Kreisläufer, nun wolle er den Nachwuchs an die Spitze heranführen. Bei seinen Stationen in Barcelona, Vezprem und Magdeburg habe er das vom chilenischen Olympischen Komitee geförderte Projekt noch nicht umsetzen können. Nun in Minden sei das dank der Unterstützung durch GWD und etliche Helfer im Umfeld möglich, berichtet der 32-Jährige. Ganz leicht sei das alles nicht. „Das Flugticket mussten die drei selber zahlen“, erzählt Oneto.

Vor ihrer Ankunft habe er die drei Jungen nicht gekannt. „Sie wurden von ihren Trainern für das Projekt ausgewählt, der sieht eine Perspektive“, sagt Oneto. Die drei rechtfertigen die Einschätzung ihrer Auswahltrainer offenbar. „Sie sind technisch und taktisch gut geschult. Das sind keine Handball-Exoten Ich bin überrascht, wie gut die drei das Handballspiel verstanden haben“, berichtet Markus Ernst, der die Südamerikaner bisweilen bei GWD II im Training führt.

Die jungen Männer wirken im Training längst nicht mehr wie Fremdkörper. „Das ist hier alles etwas körperlicher und schneller“ beschreibt Vejar einen Unterschied zum Handball in der Heimat. Torwart Matias Canton hat festgestellt: „Harte Würfe kenne ich, aber Spieler wie Dalibor Doder haben so viele Varianten.“ Canton hat zunächst Fußball gespielt, ehe er mit zehn Jahren zum Handball kam. Ignacio Porta war im Fußball sogar richtig gut, trotzdem gab er dem Handball, den er in der Schule kennenlernte, den Vorzug: „Ich habe gemerkt, dass mir das liegt.“

Zunächst waren die Teenager unter der Aufsicht von Marco Onetos Ehefrau in dessen Wohnung untergebracht. Nun, nach Onetos Rückkehr von der WM in Katar, leben die jungen Chilenen bis zu ihrem Rückflug am 20. März im Hotel Exquisit. „Wir sind der Familie Rusteberg sehr dankbar für die Unterstützung“, richtet Oneto ein Wort an die Hotelbetreiber. Er ist dankbar für die Unterstützung und lobt die Mentalität der Menschen in der Weserstadt: „Die Hilfe der Leute zeigt, warum ich es in Minden mag.“

Maßgeblich angeschoben wurde die Unterstützung von Anke Brinkmann aus der GWD-Geschäftsstelle. „Es ist schön, dass es funktioniert und dass es im Verein Rückhalt gibt“, sagt sie, „wir besitzen ein familiäres Umfeld, in dem wir dieses Projekt umsetzen können.“ Über die Whats-App-Gruppe „Drei Chilenen“ fände sich immer jemand, der Aufgaben übernimmt. Gleichzeitig hat Brinkmann festgestellt: „Die drei sind selbstständiger als erwartet.“ Nicht nur das: „Sie sind nett, höflich und pünktlich“, beschreibt Trainer Bagats das Südamerika-Trio. Brinkmann betont den gegenseitigen Nutzen des Austauschprojektes. „Wir sind froh, eine Handballnation wie Chile unterstützen zu können. Gleichzeitig bereichert der Kulturaustausch auch unsere jungen Spieler.“

©  Marcus Riechmann

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