Nach der Saison ist vor der Saison
Bundesliga | 06. Jun 2014

GWD hat 24 Punkte und den Klassenerhalt geschafft – und damit genau die Vorgabe erfüllt. Haben Sie nach dem Stolperstart mit 3:17 Punkten damit noch gerechnet?
Gerechnet schon. Ich habe im Januar bei einer Sponsorenveranstaltung – wo natürlich kritische Fragen kamen – genau mit dieser Zielsetzung geantwortet, weil aufgrund des Spielplans noch einiges möglich war. Klar war aber auch, dass wir auswärts endlich punkten mussten, um auf die 24 zu kommen. Wenn man vor der Saison 24 Punkte zusammenstellt, waren natürlich andere Spiele und Spielverläufe dabei. Ich bin natürlich davon ausgegangen, dass wir am Anfang den Bergischen HC schlagen und das Derby gegen den TuS gewinnen. Das ist nicht eingetreten, die Luft wurde dünner. Aber wir haben dann mit den Heimsiegen gegen Hannover oder Berlin auch Punkte geholt, mit denen man so nicht rechnen konnte. Als dann mit dem Sieg beim Bergischen HC der Knoten geplatzt war, war ich mir relativ sicher, dass wir die 24 Punkte holen werden. Optimisten in der Mannschaft und der Trainer waren sogar der Meinung, dass es 28 Punkte werden könnten.

GWD hatte zu Saisonbeginn in Goran Perkovac einen neuen Trainer verpflichtet, einen Bundesliga-Novizen. Inwieweit lässt sich der Erfolg der Mannschaft am Trainer festmachen?
Wir haben Goran recht kurzfristig verpflichtet, obwohl er in unserer Planung immer eine Rolle gespielt hat. Bereits im März hatte er sein Interesse geäußert, aus der Schweiz in die Bundesliga zu wechseln. Damals war Sead Hasanefendic unser Trainer. Er hatte uns signalisiert, dass er gern bei uns bleiben würde, bis dann das Angebot aus Tunesien kam. Er wollte gern nochmal bei Olympia und bei der WM spielen, so hat er sich für Tunesien entschieden. Wir hatten Alternativen in der Hand, neben Goran Perkovac auch Tomas Axner. Ich habe Goran dann auf dem Flughafen Hannover getroffen. Wir waren uns nach zwei, drei Stunden Gespräch einig. Goran hat sicher seine Anlaufschwierigkeiten gehabt, denn es ist schon etwas anderes, ob man in der Schweiz Nationaltrainer ist oder Handball-Bundesliga trainiert. Das ist eine andere Herausforderung. So hat er es ja auch jetzt formuliert. Er hat seine Zeit gebraucht. Es hat viele Gespräche gegeben, wir sind uns im GWD-Büro ja jeden Tag begegnet. Das hat gefruchtet und ich glaube, dass er im Moment einen sehr sehr guten Job macht.
 
Hat Goran Perkovac der Mannschaft ein Erfolgs-Gen eingepflanzt?
Er ist ein sehr optimistischer Mensch. Er kennt das nicht anders, er ist ein Siegertyp. Er hat als Spieler und Trainer viel erreicht. Er hat das der Mannschaft immer wieder vermittelt. Er hat ihr eingeredet, dass wir auswärts gewinnen können, das wir gut spielen können, dass wir Tempohandball spielen können. Das hat er auch umgesetzt. Die Zuschauer konnten sehen, wie sich GWD entwickelt hat. Goran hat auch schnell unsere Ziele verinnerlicht und gelernt, die jungen deutschen Spieler einzubauen. Er hat am Anfang auf die etablierten Spieler gesetzt, aber er hat schnell gemerkt, dass ein Steinert oder ein Südmeier sehr talentierte Spieler sind. Die Mischung macht ja gerade unseren Erfolg aus.
 
Wenn wir von den Spielern sprechen: Gibt es einen Spieler der Saison?
Sehr viel Spaß gemacht hat bis zu seiner Verletzung – und leider ziehen sich bei ihm kleine Verletzungen ja durch die Saison – Christoph Steinert, der sich top entwickelt hat. Aber im gleichen Atemzug muss ich Sören Südmeier erwähnen, der einen Riesensprung gemacht hat und sich mit Dalibor Doder gut ergänzt. Doder ist ein Bauchspieler und Südmeier ist ein richtiger Spielleiter, der strategisch stark ist und seine Nebenleute in Szene setzt. Er muss aber seine Abwehrqualität noch verbessern. Starke Ansätze hat auch ein Spieler gezeigt, der hier bis zum Sommer noch völlig unbekannt war: Yves Kunkel hat in seiner ersten Saison auch einen großen Schritt nach vorn gemacht. Wir können mit den jungen Spielern sehr zufrieden sein, aber wir müssen auch das Kollektiv der Mannschaft loben. Auch Bibi hat eine hervorragende Saison gespielt. Und dann passiert am vorletzten Spieltag dieses große Malheur mit dem Kreuzbandriss in Göppingen.
 
Bilden die Verletzungen die Tiefpunkte der Saison?
Wir hatten sicher auch ein paar sportliche Tiefpunkte, aber nichts Besonderes im Vergleich zu den schweren Verletzungen gerade am Ende der Saison. Die Kreuzbandrisse bei Bilbija und Südmeier, bei Sören sogar noch verbunden mit einer Meniskusverletzung, waren schmerzhaft und haben unsere eigentlich schon abgeschlossene Saisonplanung wieder durcheinander geworfen.
 
Wenn wir von den Langzeitverletzten reden: Mittelmann Südmeier und Torjäger Bilbija werden wohl erst im nächsten Jahr wieder ins Team zurückkehren. Wie wird GWD darauf reagieren?
Zielsetzung ist jetzt natürlich, noch einen Spieler für den linken Rückraum zu verpflichten, der möglichst die Liga kennt und Deutsch spricht. Schließlich müssen wir in Marco Oneto und Miladin Kozlina schon zwei nicht Deutsch sprechende Spieler ins Team integrieren. Wir brauchen einen Spieler, der uns weiterhilft. Das ist zu realisieren. Wunsch des Trainers ist es, noch einen zweiten Spieler zu verpflichten, aber das muss auch wirtschaftlich darstellbar sein. Bei den verletzten Profis wird das Gehalt für rund sechs Monate – bis sie wieder fit sind – von der Berufsgenossenschaft übernommen. Aber ein neuer Spieler kommt für zwölf Monate, nur für eine Halbserie kommt keiner. Es ist daher auch eine Voraussetzung, dass wir einen Spieler finden, der zunächst nur einen Jahresvertrag unterschreibt.
 
Haben sich die Planungen schon konkretisiert?

Wir sind derzeit konkret bei zwei, drei Namen für Rückraum links und auch Rückraum Mitte. Die Tendenz geht zu einer Lösung für den linken Rückraum, weil es unser Trainer auch versuchen soll, die Mittelposition mit dem vorhandenen Potenzial zu füllen. Da bietet sich mit Florian Freitag ein Spieler an, der sich in den letzten Wochen hervorgetan hat und der mittlerweile Härte und Tempo der Bundesliga gehen kann. Aber ganz interessant wäre es auch, einen spielstarken Linkshänder wie Steinert auf der Mitte auszuprobieren. Wir haben drei Linkshänder im Rückraum, das ist ein Luxusproblem. Da wird es irgendwann Unruhe geben, weil keiner gern auf der Bank sitzt. Und so wäre Steinert auf Mitte eine gute Option, die ja auch die Flensburger mit Weinhold schon sehr erfolgreich eingesetzt haben.
 
GWD hat vergangene Saison mit drei Kreisläufern gespielt. Die neue Spielzeit sind es drei Rückraumrechte. Welche Überlegungen stehen dahinter?
Bei den Kreisläufern war es ja so, das wir auch mit einer Kreuzbandverletzung in die Saison gestartet sind und nicht wussten, wie schnell Svavarsson wieder voll einsatzfähig sein würde. Deshalb war die Entscheidung, den Vertrag mit Oliver Tesch zu verlängern, richtig. Nils Torbrügge besaß ja ohnehin einen Vertrag. Aber: das war für uns ein hohes wirtschaftliches Risiko. Auch sportlich war das nicht einfach: Die Konstellation mit drei Spielern auf einer Position birgt Gefahren. Im rechten Rückraum hatten wir nach der Achillessehnenverletzung von Moritz Schäpsmeier gar keine andere Wahl, da kein Spieler auf dem Niveau von Rambo nur für acht, neun Monate gekommen wär. Da mussten wir gleich bis 2015 verlängern. Das haben wir gemacht und wir haben es gern gemacht, weil Rambo großes Potenzial besitzt. Er ist sympathisch und wurfstark und hat sich in die Herzen der Zuschauer gespielt. Aber die Situation ist nicht einfach, weil sich Steinert gut entwickelt hat und auch Moritz Schäpsmeier nicht zurück nach Minden gekommen ist, um sich auf die Bank zu setzen. Deshalb ist die Variante, Steinert auf der Mitte einzusetzen, gar nicht so schlecht. Wirtschaftlich werden wir durch die Dreierbesetzung in diesem Jahr im Minus landen, weil wir durch die Dreierbesetzung am Kreis und Rambo – im April kehrte ja Schäpsmeier wieder aus der Berufsgenossenschaft auf unsere Lohnliste zurück – höhere Belastungen hatten als geplant.
 
In der Aufzählung fehlt der ebenfalls nachverpflichtete Drasko Mrvaljevic.
Das war nur zu stemmen, weil unser Hauptsponsor diesen Spieler zusätzlich bezahlt hat. Wir haben aufgerüstet in einem Umfang, wie es angesichts unserer Einnahmen für die kommende Saison nicht möglich ist.
 
Bei Mrvaljevic ist die Vertragslage für die kommende Saison noch nicht geklärt. Wie geht es weiter?
Sein Vertrag läuft aus. Er ist noch immer verletzt und trainiert nicht mit der Mannschaft. Ich habe noch ein Gespräch mit ihm. Eine Weiterverpflichtung ist derzeit nicht finanzierbar. Das muss man leider so sagen. Vielleicht kann man über eine kurzfristige Weiterbeschäftigung reden. Aber das muss sich zeigen und hängt natürlich auch von seiner gesundheitlichen Entwicklung ab.
 
Zurück zur wirtschaftlichen Entwicklung. Wie geht GWD mit dem Minus um?
Das Minus ist ausschließlich durch die gestiegenen Personalkosten verursacht worden. Das ist aber mit den Gesellschaftern so besprochen und von ihnen abgesegnet worden. Das bedeutet aber auch, das wir dieses Minus in der neuen Saison wieder ausgleichen müssen, um mit der nächsten Lizenzierung keine Probleme zu bekommen. Wir wollen und müssen unser aktuell nur noch fünfstelliges Minderkapital weiter abbauen. Das haben wir bisher jedes Jahr geschafft und dieser Richtlinie wollen wir treu bleiben.Deshalb ist es auch nicht einfach, die Wünsche des Trainers zu erfüllen.
 
Ein paar Wünsche von Goran Perkovac wurden ja erfüllt. GWD hat in Gerrie Eijlers, Marco Oneto und Miladin Kozlina drei neue Spieler verpflichtet. Zum ersten Mal kann der Trainer den Kader nach seinen Wünschen umgestalten. Damit wachsen auch die Ansprüche für die neue Saison.
Ich bin da etwas vorsichtiger als der Trainer, aber wir wollen uns natürlich weiterentwickeln. Das heißt erstens, das wir attraktiveren Handball spielen und sich die jungen Spieler entwickeln. Das hat in der zweiten Liga unter Ulf Schefvert vor vier Jahren angefangen und das muss Goran Perkovac fortsetzen. Das ist unsere Philosophie: Eigengewächs entwickeln. Zweitens muss sich die Entwicklung auch in Punkten niederschlagen. Im ersten Jahr waren es 18, jetzt 24 und im nächsten Jahr sollten es 30 sein. Welcher Tabellenplatz das dann wird, mag ich nicht beantworten. Das Mittelfeld der Liga wächst von oben und unten weiter zusammen. Die Liga wird spannender, aber auch gefährlicher nach unten.
 
Zum 90jährigen Vereinsjubiläum ist GWD solide aufgestellt. Welche langfristigen Ziele verfolgt der Klub?
Wir müssen nachhaltig arbeiten. Wir werden versuchen, den Jugendbereich weiter zu stärken, das ist eine wichtige Basis. Wir werden aber auch versuchen, die Bundesliga zu entwickeln. Wenn ich mit den Gesellschaftern rede, dann sagen die auch mal: „Wir sind zu alt, um immer um den Klassenerhalt zu zittern. Wir möchten mal auf Tabellenränge zwischen acht und zehn.“ Das ist eine spannende herausforderung, aber solche Ziele muss man sich setzen. Unser Hauptsponsor hat im Spaß gesagt: „Zum Hundertjährigen müssen wir Europapokal spielen. Es muss ja nicht Champions League sein.“ Das mag zum nächsten Jubiläum ein schönes Ziel sein, aber das werde ich solange nicht mehr als Manager begleiten.
 
Bereitet der Geschäftsführer und Manager Bredemeier im Alter von nun 62 Jahren seinen Abschied vor?
Das ist eine kurz- oder mittelfristige Sache. Wir werden in den nächsten zwei, drei Jahren jemanden in die Geschäftsführung einbinden und aufbauen, der dann die Nachfolge antreten kann. Man darf die Zeit nicht überziehen. Ich bin seit 1997 dabei, das sind 17 Jahre. Das ist in der Liga ein ungewöhnlich langer Zeitraum. Im Verein und in der Jugendarbeit bin ich gern noch ein paar Jahre länger dabei, das ist eine Herzenssache. Aber in der Bundesliga muss es zeitnah einen Wechsel geben.

 © Marcus Riechmann

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