„Jedes Spiel wie Champions League“
Allgemein | 25. Feb 2018

Überraschender Anruf aus Minden / Titelsammler Zvizej musste nicht lange überlegen

Mit 36 Jahren wollen die meisten Handballer locker ihre Karriere ausklingen lassen, ein bisschen Spaß haben und sich auf die Zeit danach vorbereiten. So ungefähr war auch der Plan von Luka Zvizej. Doch dann kam der Anruf aus Minden und das Feuer war entfacht. „Ich musste nicht lange überlegen bei einer Anfrage aus der Bundesliga. Wir haben alles ganz schnell entschieden und jetzt sind wir hier“, sagt der mittlerweile 37-Jährige zufrieden.

Der Slowene hat eine Bilderbuch-Karriere hingelegt. Der Ursprung seines Weges liegt in der kleinen slowenischen Stadt Celje. Die 50.000 Einwohner sind völlig verrückt nach Handball. Dagegen haben Fußball und Eishockey keine Chance. Luka Zvizej probierte als Kind verschiedene Sportarten aus: Judo, Schwimmen, Basketball, Tischtennis und Handball. Sein Talent war nicht zu übersehen. Mit elf, zwölf Jahren war er dann zum ersten Mal bei den Spielen der Profis vom großen RK Celje: „Mir war sofort klar: Da will ich auch mal hin. In dem Moment ist der große Handball-Traum entstanden.“

Die Zeiten waren damals, Anfang der 90er, noch andere. Es flimmerte nicht dauernd Handball über die TV-Geräte. „Youtube gab es auch noch lange nicht und Onkel Google konnte ich auch nicht fragen. Da war das Erlebnis in der Halle entscheidend“, erinnert sich Zvizej.

Er wurde quasi zum Traumjäger und zwar zu einem extrem erfolgreichen. Der Slowene war ständig bei absoluten europäischen Top-Vereinen unter Vertrag, hat Titel gesammelt wie andere Briefmarken. Schon als Teenager holte er sich die erste slowenische Meisterschaft mit Celje, sechs weitere sollten folgen. Acht Mal streckte er den slowenischen Pokal in die Höhe. Aber seinen größten Erfolg feierte er beim FC Barcelona.

„Patrick Cavar, der kroatische Linksaußen, war immer mein Idol. Ich wollte wie er beim großen FC Barcelona spielen. Als ich dann da war, konnte ich es kaum fassen.“ Gleich in Zvizejs erster Saison für den FCB holte er den Champions-League-Titel in einem Herzschlag-Finale gegen Ciudad Real. Ein Tor machte den Unterschied. „Das werde ich nie vergessen. Da ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.“

Nach weiteren Stationen in Santander, Szeged und sieben Jahren in Celje spielte Zvizej zuletzt beim RK Maribor. Aber der Linksaußen ist ein Fuchs. Für die Bundesliga ließ er sich eine Ausstiegsklausel in den Vertrag schreiben. „Ich war total überrascht als der Anruf kam, aber es war eigentlich sofort klar, dass wir das machen“, sagt der Linksaußen, der bei GWD den verletzten Charlie Sjöstrand ersetzen sollte.

Zvizej packte die Sachen, kam ein paar Tage bei seinem alten Kumpel Nenad Bilbija unter und hat mittlerweile seine Frau Daca und die Zwillinge Jan und Kris nachgeholt. „Es ist toll, dass Bibi hier ist. Er hat mir so viel geholfen am Anfang. Jetzt mit Familie ist es natürlich noch schöner“, sagt der stolze Familienvater. Im Sommer kommen seine Jungs in den Kindergarten.

Denn der Slowene hat gleich einen Vertrag bis 2019 bekommen. „Das war mir wichtig. Ich will es noch einmal allen beweisen.“ Er und seine Familie sind glücklich in Minden. Nur eine Sache ist nicht ganz so gut wie in Slowenien: das Wetter. „Jetzt im Winter hat man ewig nicht die Sonne gesehen. Aber naja, wir sind ja nicht wegen des Wetters nach Minden gekommen.“

Genau. Die Bundesliga war die große Verlockung. Den Wechsel bereut Luka Zvizej auf keinen Fall. Er hat in vielen Ländern gespielt, aber für ihn steht fest: „Das hier ist die stärkste Liga der Welt. Man kann vor keinem Spiel sicher sagen, wer gewinnt. Das Spiel an sich ist nicht groß anders, aber das Drumherum. Die Hallen sind voll, jede Partie ist eine Show, ein Spektakel“, schwärmt der 37-Jährige und fügt glücklich hinzu: „Hier ist jedes Spiel wie Champions League.“

Sein Alter spielt für ihn übrigens keine Rolle. „Es geht darum, gut in Form zu sein. Es ist auch nicht wichtig, ob man jung oder alt ist, sondern ob man gut oder schlecht ist“, sagt der Slowene. Das Alter sei eben nur eine Zahl. Und doch macht sich der Routinier Gedanken um die Zeit nach der Karriere. Handball ist sein Leben, und er will seinem Sport treu bleiben. „Ich war gerade dabei, in Maribor eine Handball-Schule aufzubauen. Aber das Projekt steht auf Pause. Jetzt zählt nur GWD, danach sehen wir weiter.“

© GWD Minden  – Stefan Rüter

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