„GWD ist eine riesige Chance für mich!
Bundesliga | 08. Mrz 2019

Minden statt Minsk. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied: 80.000 statt zwei Millionen Einwohner, also Kleinstadt statt Metropole und deutsch statt russisch. Aliaksandr Padshyvalau durchlebt seit dem Sommer diesen kleinen Kulturschock. „Das sind natürlich zwei Welten, aber man sollte das auch nicht miteinander vergleichen. Minsk ist eine tolle Großstadt, Minden eine schöne Kleinstadt.“

Padshyvalau muss sich an die Ruhe gewöhnen, aber sie passt ihm ganz gut: „Ich bin ja nicht zum Spaß hier, sondern weil ich ein besserer Handballer werden will. Da ist es von Vorteil, wenn man sich voll konzentrieren kann.“

Der Mittelmann spielte zuletzt für SKA Minsk, wurde mit dem Team Vize-Meister und schaffte es in die Gruppenphase des EHF-Cups. Die weißrussische Liga ist eigentlich nur ein Dauer-Duell zwischen SKA und Meschkov Brest. „Die anderen vier Mannschaften sind viel schlechter. Wer wirklich was erreichen will, muss in eine große europäische Liga wechseln“, erklärt „Paddy“.

Anfang 2018 nahm Mindens Geschäftsführer Sport Frank von Behren vorsichtig Kontakt zu dem Spielmacher-Talent aus Osteuropa auf. Padshyvalau gibt zu: „Minden kannte ich bis dahin nicht. Man kann in Weißrussland keine Bundesligaspiele im Fernsehen sehen.“

Doch die Begeisterung war schnell entfacht: „GWD ist eine riesige Chance für mich. Das haben auch meine Familie und meine Frau sofort verstanden“ berichtet der 22-Jährige, dass er am Ende gar nicht lange überlegen musste. Die Möglichkeit, sich jede Woche mit den besten Spielern zu messen, wollte er sich nicht entgehen lassen. Jetzt ist er hier.

Aber alles braucht seine Zeit. Das Spielsystem in Deutschland ist ganz anders als in Weißrussland. Dort setzt man auf die individuelle Stärke der Spieler, in Deutschland mehr auf Lösungen als Mannschaft. „Es werden sehr wenige Fehler gemacht und ich muss mich an die vielen Veränderungen gewöhnen. Ich brauche etwas Zeit“, hofft der Weißrusse, dass die Fans ein bisschen Geduld mit ihm haben. Aber gerade in den vergangenen Spielen ließ er sein Können aufblitzen.

Die ersten Wochen verbrachte „Paddy“ noch alleine in Minden. Mittlerweile ist seine Frau Dasha auch hier. Kennengelernt haben sich die beiden auf eine ziemlich untypische Art und Weise. „Wir haben beide einen Hund und uns zufällig beim Gassi gehen getroffen. Dann haben wir gequatscht, sind ins Kino gegangen und seit dem Sommer verheiratet“, erzählt Padshyvalau die Kurversion der Lovestory.

Seinen Hund Messi hat er allerdings nicht mit nach Minden gebracht. „Meine Eltern können nicht ohne ihn leben. Und für meine Frau ist er sowieso viel zu stark. Mein Hund ist einfach ein bisschen verrückt“, erklärt der GWD-Spieler grinsend. Man sieht ihm an, dass Messi für ihn ein echter Kumpel ist.

Jetzt ist „Paddy“ 1.400 Kilometer von seinem Hund entfernt – für das Abenteuer namens Bundesliga. Der mutige Schritt passt zu dem 22-Jährigen. Aliaksandr Padshyvalau hat Biss. Das hat er schon in der Schule bewiesen. Er war in einer Spezialistenklasse mit insgesamt 20 Handballern. Er entschied sich am Ende als Einziger dazu, alles auf die Karte Handball zu setzen.

Zur Belohnung spielt er jetzt in der stärksten Liga der Welt – auch gegen einen seiner Lieblingsspieler: Andy Schmid. „Er ist so smart und schnell. Ein echter Spielmacher. Ich will selbst unbedingt einen noch besseren Blick für die Spielsituation bekommen“, erklärt der neue GWD-Spieler.

Dabei helfen ihm aktuell vor allem Trainer Frank Carstens und Dalibor Doder. „Paddy“ ist dankbar für jeden Tipp. „Dado macht unglaubliche Bewegungen und hat viel Erfahrung. Davon kann ich ja nur profitieren“, freut sich Padshyvalau über den cleveren Kollegen.

Mit Doder und den anderen Mitspielern spricht der Weißrusse momentan noch englisch. Zwei Mal pro Woche lernt er aber deutsch. „Das ist nicht leicht. Die Sätze sind ganz anders geordnet als beim Russisch. Zum Glück verstehe ich schon viel auf deutsch.“

Der Wechsel zu GWD ist für Padshyvalau eine spannende Aufgabe. So etwas mag er, wie auch eines seiner Hobbys zeigt. Der 22-Jährige geht gerne in Escape Rooms. In diesen Räumen muss man kleine Rätsel lösen, um sich am Ende in einer bestimmten Zeit zu befreien. Passt zu ihm als Mittelmann. Denn auch im Spiel muss er schwierige Situationen meistern – hier aber in Sekundenbruchteilen. Der neue Mann verspricht: „Ich werde alles geben, um GWD Minden zu helfen.“

© Stefan Rüter

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