„GWD ist eine Ära in meinem Leben.“
Allgemein | 04. Apr 2018

Abschied nach sieben Jahren: Nenad Bilbija nimmt viele Freundschaften mit

Sky-Kommentator Karsten Petrzika sagte am vergangenen Wochenende, Nenad Bilbija sei ein Spieler,  der das Tornetz kaputtwerfen könne. In der Tat! Das kann der Slowene noch immer. Wenn der 2,08-Meter-Riese hochsteigt und aus dem dritten Stock den Ball in die Maschen hämmert, muss man sich um Torwart und Tornetz Sorgen machen. Fest steht: Nach sieben Jahren endet für „Bibi“ das Kapitel an der Weser, sein Vertrag wird nicht verlängert. Im Interview spricht der 34-Jährige über den nahenden Abschied, Verletzungen und Freundschaften.

Nenad Bilbija, im Sommer geht Deine Zeit bei GWD Minden nach sieben Jahren zu Ende. Wie geht es Dir damit?

Das ist nicht einfach für mich nach so langer Zeit, aber ich akzeptiere das natürlich. Wir sind Sportler und so ist das Geschäft. Ich bin aber sehr stolz, dass ich in einem Verein sieben Jahre überlebt habe. Viele Spieler wechseln ja alle ein, zwei Jahre.

Warst Du überrascht, dass Dein Vertrag nicht verlängert wird?

Ich wusste, dass es eine 50:50-Entscheidung wird. Ich war die ganze letzte Saison verletzt, aber jetzt war ich wieder dabei und richtig fit. Leider hatte ich nicht immer die Möglichkeit, mich zu zeigen. Aber es ist alles okay. So ist es manchmal im Sport.

Was waren die schönsten Momente in dieser Zeit?

Das gab es viele. Ich bin wirklich glücklich, dass ich hier viele Freunde gefunden habe.

Was nimmst Du mit aus den sieben Jahren in Minden?

Auf jeden Fall diese Freundschaften. Ich bin damals zeitgleich mit Aleks Svitlica zu GWD gekommen. Mit ihm und Dalibor Doder habe ich sehr viel Zeit verbracht. Aber auch Sören Südmeier ist ein richtig guter Freund. Ich habe auch noch Kontakt zu Nils Torbrügge oder Marco Oneto. Und es gibt noch viele mehr, die mir wichtig sind.

Du hattest aber auch mit schweren Verletzungen zu kämpfen. Wie motiviert man sich da immer wieder?

Ich hatte ja mit dem Kreuzbandriss eine schlimme Verletzung. Letzte Saison hatte ich dann dauernd Entzündungen an der Patellasehne. Aber ich habe an mich geglaubt und wusste, dass ich es auch körperlich noch in mir habe. Das habe ich jetzt nach 14 Monaten Pause auch bewiesen und das macht mich stolz.

Du hast vergangene Saison keine Sekunde gespielt. Jetzt bist Du wieder fit, hast schon 37 Saisontore erzielt. Ist das der alte „Bibi“?

Vielleicht könnte ich der alte Bibi sein, aber die Situation hat sich verändert. Früher hatte ich mehr Spielzeit, aber Marian Michalczik hat super Potenzial auf dieser Position. Das geht alles in Ordnung. Ich wünsche ihm nur das Beste und hoffe, dass er in ein paar Jahren bei einem der besten Vereine der Welt spielen kann.

Du bist mit 2,08 Metern ein echter Riese. Hat Dir Deine Größe mehr geholfen oder bei den Verletzungen auch geschadet?

Insgesamt hat mir die Größe mehr geholfen. Ich bin zwar nicht der perfekte Eins-gegen-Eins-Spieler, aber ich kann eben auch aus elf oder zwölf Metern Tore werfen.

Du bist jetzt 34 Jahre alt: Willst Du noch weiterspielen?

Ich fühle mich körperlich noch richtig fit. Deshalb will ich gerne noch zwei Jahre auf diesem Niveau weiterspielen. Aber ich weiß noch nicht, ob es in der Bundesliga sein wird.

Geht es auf lange Sicht zurück nach Slowenien oder bleibst Du vielleicht sogar in Deutschland?

Ich habe da noch alle Optionen. Ich kann mir Deutschland und Slowenien auf jeden Fall vorstellen. Aber vielleicht gehe ich auch nach Spanien, wo ich ja auch einige Jahre gespielt habe.

Was sind Deine Pläne für die Zeit nach der Karriere?

Ich will auf jeden Fall einen Trainerschein machen und würde natürlich auch später gerne im Handball bleiben. Aber ich habe noch andere Ideen. Ich könnte mir auch vorstellen, als Immobilienmakler zu arbeiten.

Wie wäre es mit einer zweiten Laufbahn als Musiker?

Ja, das ist mein großes Hobby. In letzter Zeit hatte ich nicht viel Zeit für die Musik. Aber ich arbeite an einer Single, die auch fast fertig ist.

Dein Bruder macht professionell Techno- und House-Musik. Ist das Dein Geschmack?

Er ist da schon ein bisschen härter unterwegs als ich, aber ich mag seine Musik sehr. Ich bin auch sein erster Kritiker, weil er mir seine Songs immer schickt und fragt, was er anders machen soll.

Ihr habt viel Ähnlichkeit miteinander …

Das habe ich schon öfter gehört. Er kommt aber mehr nach unserer Mama und ich nach unserem Papa. Mein Bruder ist acht Jahre älter und ich habe ihm immer alles nachgemacht. Er hat eben Handball gespielt und Musik gemacht – deshalb mache ich das auch. Wir verstehen uns bis heute super, haben jeden Tag Kontakt.

Aktuell bist Du noch Handballer. Was sind Deine Ziele für die letzten Spiele in Grün-Weiß?

Ich will, dass wir alle restlichen Heimspiele gewinnen und versuchen, möglichst viele Tore zu werfen. Unser Ziel sind 26 Punkte. So viele Punkte hat GWD seit mehr als zehn Jahren nicht mehr in der Bundesliga geholt. Diese Marke wollen wir als Team unbedingt knacken.

Im linken Rückraum ist aktuell Marian Michalczik gesetzt. Du hast ihn eben schon angesprochen. Was sagst Du zu seiner Entwicklung?

Er hat das in den letzten Jahren super gemacht und trainiert immer hart. Man merkt Marian an, dass er ein klares Ziel im Kopf hat. Er ist schon jetzt ein kompletter Spieler: Marian trifft aus elf Metern, ist aber auch super im direkten Duell. So einen Spieler wünscht sich jeder Trainer.

Glaubst Du, dass Marian auf lange Sicht den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen wird?

Wenn er so weitermacht, auf jeden Fall. Dann wird er sich die Position bei der Nationalmannschaft mit Julius Kühn teilen.

Was hättest Du gerne von seinen Fähigkeiten?

Die tolle Übersicht. Sein Zusammenspiel mit dem Kreis ist super. Marian ahnt schon zwei Pässe vorher, wie sich die Spielsituation entwickelt.

Mit Luka Zvizej ist ein richtig guter Kumpel von Dir im September zu GWD gekommen. Wie sehr hast Du Dich darüber gefreut?

Ich habe mich riesig gefreut. Luka kommt auch aus Celje, wir haben lange in der Nationalmannschaft zusammen gespielt. Jetzt verbringen wir natürlich viel Zeit zusammen. Das genieße ich sehr.

Was bedeutet Dir GWD Minden nach all den Jahren?

GWD bedeutet mir ganz viel und hat einen Platz in meinem Herzen. GWD ist eine Ära in meinem Leben. Ich habe viele schöne Erinnerungen gesammelt und mir hier in Minden eine Wohnung gekauft. Das sagt doch alles.

Wie sind aus Deiner Sicht die Zukunftsaussichten von GWD?

Ich bin kein Hellseher. Aber wenn die Mannschaft noch ein paar Jahre so zusammenbleibt und es keine großen Verletzungen gibt, wird GWD weiter nach vorne kommen. Ein einstelliger Platz ist in Zukunft bestimmt drin.

© GWD Minden – Stefan Rüter

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