„Freundschaften sind mir megawichtig“
Allgemein | 21. Apr 2017

Handball ist für Florian Freitag mehr als nur Sport / „Torgefahr fehlt noch“

Florian Freitag steht mal wieder vor dem Durchbruch bei GWD. Bisher wollten seine Füße ihn nicht so weit tragen. Fünf Operationen musste er nach den Brüchen insgesamt über sich ergehen lassen. Er hat die Zeit genutzt, um an seiner Karriere neben dem Handball zu bauen: Seinen Bachelor in Architektur hat er im Sommer in der Tasche. Und der 25-Jährige hat gemerkt, dass Handball viel mehr ist als nur ein toller Sport: Denn Freitag hat in Minden Freunde fürs Leben gefunden.

Florian Freitag, wie bist Du mit Deiner Saison zufrieden?

Ich glaube, dass ich nach der Verletzung ganz gut wieder reingefunden habe. Ich hatte ja die ganze Sommervorbereitung wegen meiner Fußprobleme verpasst und dann braucht man einfach etwas Zeit.

Du hast bisher 40 Tore geworfen, bekommst gute Spielanteile. Was fehlt noch zum Stammspieler?

Gute Frage. Auf Halblinks braucht man viel Torgefahr und das ist jetzt nicht so meine Stärke. Es ist nicht mein Spiel, aus zehn Meter die Bälle einfach reinzuhämmern. Ich gehe eher in die Zweikämpfe, reiße Lücken für meine Mitspieler. Von daher würde ich sagen, dass mir die nötige Torgefahr noch fehlt.

Du bist mittlerweile 25 Jahre alt. Braucht man heute länger, um den Durchbruch zu schaffen?

Junge Fußballer haben es auf jeden Fall viel leichter, den Durchbruch zu schaffen. Beim Handball braucht man gerade als Rückraum- oder Kreisspieler besondere körperliche Voraussetzungen. Da braucht man ein paar Jahre, um auf dem Top-Level anzukommen. Nur ganz wenige wie Jannik Kohlbacher aus Wetzlar oder der Kieler Nikola Bilyk sind schon immer mit so einem Körper gesegnet.

Wenn Du Dir anschaust, wie die Handballer in den 90er Jahren ausgesehen haben: Was hat sich aus Deiner Sicht im Handball so sehr verändert?

Sehr viel. Es geht viel mehr über Schnelligkeit. Und natürlich ist die körperliche Anforderung viel höher heute. Bei Mannschaften wie Flensburg oder Kiel gibt es nur noch richtige Maschinen.

Wie sehr haben Dich Deine Verletzungen an einem früheren Durchbruch gehindert?

Die haben mich auf jeden Fall immer wieder rausgebracht. Ich hatte nach meinen Fußbrüchen insgesamt drei Operationen am rechten Fuß und zwei am linken. Das erste Mal in es in der Jugend kurz vor der Deutschen Meisterschaft passiert. Das war schrecklich.

Gibt es bei fünf Operationen Momente, wo man da alles in Frage stellt?

Natürlich zweifelt man mal. Wenn man immer wieder Probleme hat und alles so lange dauert. Diese Saison taten mir die Füße bei den ersten Spielen richtig weh und ich habe mich gefragt, ob das jemals wieder aufhört. Mittlerweile sind die Schmerzen weg.

Hast Du Deinen Füßen nach den Verletzungen immer sofort wieder vertraut?

Auf jeden Fall. Das hat zum Glück gut geklappt. Mein Spiel hat sich durch die Verletzungen nicht verändert.

Gibt es auch positive Aspekte einer Verletzung?

Bei mir schon. Ich habe mir Zeit genommen, über andere Dinge nachzudenken und habe dann ein Architektur-Studium an der FH in Minden angefangen. Im Sommer habe ich meinen Bachelor, danach kommt der Master obendrauf. Das Studium macht richtig Spaß und ich brauche für meinen Kopf neben dem Handball eine zweite Aufgabe, eine Ablenkung.

Du bist seit 2009 bei GWD – was gefällt Dir hier so gut?

Es war toll, wie ich hier aufgenommen wurde. Ich hatte eine tolle WG mit den Altvater-Brüdern und Tristan Frerichs. Auch bei den Familien meiner Mitschüler war ich immer herzlich willkommen. Ich bin zum Beispiel gut mit Jannik Gartmann aus Hille befreundet. Es ist einfach wunderbar familiär hier.

Du kommst aus Dortmund. Was an Dir ist typisch Ruhrpott und was typisch Ostwestfale?

Das frage ich mich manchmal selbst. In Dortmund benutzt man andere Wörter. Gute Fußballspiele findet meine Schwester zum Beispiel „herbe geil“. Das würde ich heute nicht mehr sagen. Und hier habe ich am Anfang nicht verstanden, was es heißt, wenn einer gut flacken kann. Flacken für werfen? Das gab es in Dortmund nicht. Aber es sind nur Kleinigkeiten. Der Ruhrpott und Ostwestfalen haben ja sehr viel gemein. Was ich manchmal etwas vermisse, ist die Großstadt.

Dein Vertrag läuft im Sommer aus. Geht Deine Zeit in Minden noch weiter? Wie ist der aktuelle Stand?

Es gibt noch keine Entscheidung. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich auch in Zukunft Studium und Handball gut unter einen Hut bekomme.

Auch der Vertrag von Deinem Kumpel Sören Südmeier läuft aus. Ist das komisch für Euch, wenn man Freund und Konkurrent zugleich ist?

Wir machen uns da keine großen Gedanken drüber. Das ist bei uns nicht das Thema Nummer eins, weil es im Handball ja auch normal ist. An unserer Freundschaft ändert das gar nix.

Du hast richtig viele Freunde aus dem Handball, oder?

Auf jeden Fall. Jannik Oevermann, Markus Fuchs, Nils Torbrügge, Janis Helmdach, Georg Auerswald, Sören Südmeier. Das ist zum Glück noch wie früher. Wir sehen uns alle oft, und es macht einfach Spaß, mit den Jungs Zeit zu verbringen. Mit Nils wohne ich noch immer zusammen.

Wie wichtig sind Dir diese Freundschaften?

Die sind mir mega-wichtig. Natürlich zählt im Handball der sportliche Erfolg und ich will jedes Spiel gewinnen, aber diese tollen Freundschaften überragen das. Die werden die Zeit als Handballer überdauern.

Du kannst auf allen Rückraumpositionen und auch auf Linksaußen spielen. Ist Allrounder ein Kompliment oder ein Schimpfwort?

Das kann ich schlecht beantworten. Ich hoffe nur, dass ein paar Leute gesehen haben, dass Links­außen überhaupt nicht meine Position ist. Von da habe ich noch nie getroffen. Linksaußen und ich, das macht keinen Sinn. Aber ich werde es weiter probieren.

Wo spielst Du am liebsten?

In der Mitte oder im linken Rückraum. Ich agiere dann nicht wie ein typischer Torjäger auf Halblinks, aber ich mache dann eben mein Ding.

Du bist 1,89 Meter groß. Was würdest Du für sieben, acht Zentimeter mehr geben?

Ich weiß gar nicht, ob ich die haben wollte. Vielleicht wäre ich dann ja nicht mehr so schnell. Ich bin zufrieden, wie es ist.

Der beste Teil Deiner Handball-Karriere liegt garantiert noch vor Dir: Hast Du Dir bestimmte Ziele gesetzt?

Nein, konkrete Ziele gibt es nicht. Klar will ich weiter Bundesliga spielen, aber ich lasse das auf mich zukommen. Bisher hat mir meine Lockerheit immer geholfen.

Interview: Stefan Rüter

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