„Die Liga müsste schon verrücktspielen“
Allgemein | 04. Mai 2017

Sjöstrand sicher: Der Klassenerhalt ist fast geschafft / „Tochter Freja „verändert alles“

Jahrelang hat Charlie Sjöstrand davon geträumt, in der Bundesliga zu spielen. Um sich diesen Wunsch zu erfüllen, war er sich nicht zu schade, den Umweg über die 2. Liga zu gehen. Der Plan hat funktioniert. Einem weiteren Jahr in der besten Liga der Welt steht fast nichts mehr im Weg. Der Vertrag ist verlängert, 22 Punkte sind auf dem Konto. Sjöstrand ist glücklich. Das liegt aber nicht nur am Handball, sondern auch an zwei Frauen.

Charlie Sjöstrand, es war immer Dein großer Wunsch, in der Handball-Bundesliga zu spielen. Du hast ihn Dir erfüllt. Wie ist es, mittendrin zu sein?

Es ist ganz anders als in der 2. Liga. Keine Frage. Die Gegner sind besser, die Spiele härter und die Arenen viel größer. Wir gewinnen leider nicht mehr so viel. Aber es gibt eben gewisse Spiele, die wir unbedingt gewinnen müssen und das klappt ganz gut. Gegen Kiel oder Flensburg rechnet aber keiner mit einem Sieg von uns.

Was war bis jetzt der beste Moment für Dich in der Bundesliga?

Das war der Heimsieg gegen den Bergischen HC. Es war das 1000. Bundesligaspiel für GWD, wir mussten gewinnen und es hat auch geklappt. Dazu habe ich auch noch richtig gut gespielt, ein absolutes Highlight für mich.

Seit Du nach Minden gekommen bist, hat sich in Deinem Leben viel verändert: Aufstieg, Hochzeit, Baby. Wie hast Du die letzten zwölf Monate erlebt?

Es ist wirklich viel passiert. Wenn ich alt bin und auf diese Zeit zurückblicke, werde ich bestimmt sagen: Das war eine super Phase in meinem Leben. Wir haben als Mannschaft Erfolg gehabt, die Hochzeit war toll und unsere Tochter ist perfekt.

Wie verändert so ein kleiner Mensch das Leben?

Es verändert alles. Aber ich kann mich wirklich nicht mehr daran erinnern, wie es vorher ohne die kleine Freja war. Klingt komisch, ist aber wirklich so, obwohl ich ja 30 Jahre ohne die Kleine gelebt habe. Jetzt richtet sich alles nach ihr. Ist doch klar.

Wie lange brauchst Du, um eine Windel zu wechseln?

Wenn sie schreit, muss man auf jeden Fall richtig schnell sein. Aber man muss ja manchmal fünf Mal am Tag die Windeln wechseln. Ich bin also bestens im Training.

Was sind sonst Deine Aufgaben als Familienpapa?

Ich bin der Koch in der Familie, weil es mir einfach mehr Spaß macht als meiner Frau. Ansonsten bestimmt Freja, was wir zu tun haben.

Auch die Haare haben sich verändert. Also Du zu GWD kamst waren sie lang, jetzt sind sie kurz …

Ja, zur Hochzeit mussten sie ab. Meine Frau Jenny hat gesagt, dass ich nicht mit langen Haaren auf die Hochzeitsfotos darf. Als guter Mann habe ich auf sie gehört. Und jetzt bleiben sie so.

Wie gefällt es Dir in Minden?

Es gefällt uns gut. Jenny nimmt Deutschunterricht, um die Sprache schnell zu lernen. Ich habe es da ja einfacher, weil ich jeden Tag in der Mannschaft automatisch deutsch spreche.

GWD ist ja eine kleine Skandinavien-Auswahl – haben Dir die Schweden und Norweger das Leben erleichtert?

Auf jeden Fall. Wenn man am Anfang niemanden kennt und die Sprache nicht kann, ist das natürlich eine riesige Hilfe. Dalibor, Magnus und auch Rambo haben viel für mich gemacht.

Trefft Ihr Skandinavier Euch auch mal, um zusammen schwedisch zu kochen?

Ja, wir treffen uns schon häufiger zum gemeinsamen Essen, aber meistens gehen wir dann zum Italiener. Zu Weihnachten oder Ostern kochen wir dann wirklich traditionell schwedisch mit eingelegten Heringen, Fleischbällchen und so weiter.

Du bist begeisterter Hobby-Golfer: Wie oft spielst Du überhaupt noch?

Dieses Jahr leider erst zwei Runden. Aber wenn das Wetter besser wird, will ich wieder mehr spielen. Auch ein paar andere Jungs aus dem Team spielen sehr gerne.

Bist Du denn noch immer ganz gut?

Handicap elf. Also es läuft noch, aber ich sollte mehr spielen, damit es so bleibt.

Was kann ein guter Handballer von einem Weltklasse-Golfer lernen?

Das mentale Spiel. Golfer sind da extrem stark. Ich kann mir da als Handballer viel abschauen, wie man die richtigen Entscheidungen trifft. Zum Beispiel, wann man sich einen Wurf nimmt und wann nicht.

Wie oft bist Du noch in Schweden?

In letzter Zeit nur noch selten. Zuletzt Silvester, das nächste Mal erst nach der Saison. Man braucht mindestens drei freie Tage und Freja hat noch keinen Pass. Aber die Großeltern und unsere Geschwister waren nach der Geburt natürlich schon zu Besuch.

Was sind deine Ziele für die kommende Spielzeit?

Ich war am Anfang dieser Saison nicht gut drauf. Daher möchte ich unbedingt konstanter meine Leistung bringen. Ich gehöre aktuell nicht zu den bestens fünf Linksaußen der Liga oder so. Ich will da näher rankommen, mehr Tore werfen. Es gibt immer Dinge, die man verbessern kann.

Glaubst Du, dass der Klassenerhalt nach dem Sieg gegen Balingen perfekt ist?

Die Liga müsste schon verrücktspielen, damit es nicht klappt. Aber wenn Lemgo gegen Kiel gewinnt und der BHC in Berlin, dann ist die Liga verrückt. Von daher: Ganz sicher ist es noch nicht.

Wie viele Punkte braucht Ihr noch?

Zwei bis vier. Dann müssen wir uns gar keine Sorgen machen und auch rechnerisch ist dann fast nichts mehr in Gefahr. Es sieht gut für uns aus. Ein weiterer Sieg sollte reichen.

Ihr habt fast alle wichtigen Duelle gegen direkte Konkurrenten gewonnen. Was macht Euch in diesen Spielen so stark?

Das war der entscheidende Unterschied zu den Konkurrenten. Wir haben uns auf die Vier-Punkte-Spiele gegen Erlangen, Coburg, Stuttgart, den BHC oder Lemgo konzentriert. Das hat geklappt.

Es war für Dich ein langer Weg in die Bundesliga. War es das alles wert?

Ich bin wirklich glücklich, dass ich meinen Traum leben kann und bin stolz auf meinen Weg. Umso schöner, wenn es nächste Saison in der Bundesliga weitergeht.

© GWD Minden – Stefan Rüter

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