„Das ist Sport!“
Saison 17/18 Bundesliga | 07. Dez 2017

Das tut weh! Handball-Bundesligist GWD Minden hat am 16. Spieltag der DKB Handball-Bundesliga gegen den Favoriten aus Hannover aufopferungsvoll gekämpft, zwischenzeitlich mit sieben Toren geführt, doch dann nach Spielschluss per Freiwurf den 29:29-Ausgleich kassiert.

Es liefen die letzten Sekunden eines wahnsinnigen Spiels, keinen der 2693 Zuschauer hielt es auf den Sitzen, alles war eigentlich auf einen Jubel der Grün-Weißen eingestellt. Kurz zuvor traf Christoffer Rambo zum erlösenden 29:28, die GWD-Abwehr stand in den letzten Sekunden sicher und ließ die TSV nicht bis vors Tor kombinieren. Doch dann geschah es. Die offizielle Spielzeit war abgelaufen und das Schiedsrichtergespann Michael Klip/Christoph Maier entschied auf Freiwurf für die Gäste. Alle Arme gingen in die Höhe, doch Maik Patrail fand die einzige Lücke und schmetterte den Ball in das Toreck und genau in das Herz der Mindener. Auf den ersten Blick mutmaßt sich ein Unentschieden gegen den Tabellendritten der Bundesliga hervorragend, doch nach diesem Spielverlauf wollte sich niemand so recht über den Punkt freuen. Zu nervenaufreibend war die vorangegange Stunde:

Frank Carstens sprach vor der Partie davon, dass nur ein starker Anfang der Schlüssel zum Erfolg sein könne. Seine Mannschaft ließ den Worten Taten folgen und spielte sich wie in einen Rausch! Zwar wurden in den ersten Minuten zwei Bälle verworfen, doch dann begann der Torreigen – und wie! Auf zwischenzeitlich 8:1 setzte sich die Carstens-Sieben ab, erzürnte damit TSV-Trainer Carlos Ortega, der nach 16 gespielten Zeigerumdrehungen bereits seine zweite Auszeiten nahm. War die erste noch nicht von Erfolg gekrönt, schien er in der zweiten Ansprache die richtigen Worte gefunden zu haben. Die bis dato völlig verunsicherten Hannoveraner besannen sich ihrer Stärken und verkürzten auf 8:4 (20.). Ausschlaggebend war wohl die Zwei-Minuten-Strafe gegen Mindens besten Spieler, Christoffer Rambo. Doch sobald er wieder auf der Platte war, stieg er hoch, warf und traf! Insgesamt sechs Treffer steuerte der Norweger zur 14:9-Pausenführung bei, die jedoch deutlicher hätte ausfallen können. Den absoluten Höhepunkt dieser fulminanten Halbzeit setzte aber sein skandinavischer Teamkollege. Espen Christensen hielt kurz vor Schluss der ersten Hälfte einen Ball, schnappte ihn sich und warf punktgenau mit der Halbzeitsirene ins verwaiste TSV-Tor!

Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich eine Partie, die nicht für schwache Nerven gemacht war. Zwar hielten die Grün-Weißen den Abstand zunächst, doch dann pendelte das Ergebnis hin und her. Als Christoffer Rambo für einige Minuten zum Verschnaufen auf die Bank musste, konnten die Dankerser nicht mehr an den Spielfluss aus den ersten 30 Minuten konnten anknüpfen. Waren im ersten Durchgang die Hannoveraner verunsichert, zeigten nun die Mindener Nerven. Die Recken erkannten ihre Chance und glichen tatsächlich kurz vor Schluss aus, dann traf Rambo zum 29:28 und das Schicksal nahm seinen Lauf….

Mindens Sportlicher Leiter Frank von Behren: „Für die Jungs tut es mir total leid, dass sie sich nicht mit dem Sieg belohnt haben. Das ist Sport, das ist extrem bitter für uns. Mit der Leistung bin ich einverstanden. Wir spielen momentan einen anderen Handball als noch in den letzten Jahren und können so Gegner wie Hannover ärgern. Ich bin mir sicher, dass wir uns diesen verlorenen Punkt irgendwann in dieser Saison wiederholen.“

Stimmen zum Spiel:
Frank Carstens: „Unser Thema in der Anfangsphase haben wir sehr eindrucksvoll umgesetzt. Dafür möchte ich meinem Team ein großes Kompliment aussprechen. In der zweiten Halbzeit wurde es dann natürlich immer schwieriger, die Wege zu finden. Vielleicht haben wir den Vorsprung dann zu sehr verwaltet, aber das kann ich niemandem vorwerfen. Meine Mannschaft hat heute sehr gut gespielt. Wie das Spiel in der finalen Situation endet, kann jeder für sich selbst bewerten.“

Carlos Ortega: „Minden hat viel besser gespielt als wir. Gerade in der ersten Halbzeit haben wir sehr viele Fehler gemacht. Bei der letzten Aktion haben wir Glück gehabt. Wir müssen mit dem Punkt zufrieden sein und wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie meine Mannschaft heute gespielt hat.“

Torschützen GWD: Christoffer Rambo (9), Marian Michalczik (6), Aleksandar Svitlica (4/1), Dalibor Doder (2), Magnus Gullerud (2), Sören Südmeier (2), Luka Zvizej (2), Espen Christensen (1), Anton Mansson (1).
Im Tor: Espen Christensen (1.- 60. mit 15 Paraden davon 1 Siebenmeter), Kim Sonne Hansen (1 Siebenmetern gehalten).

Torschützen TSV: Casper Mortensen (9/1), Kai Häfner (5), Ilja Brozovic (4), Mait Patrail (3), Fabian Böhm (2), Timo Kastening (2), Morten Olsen (2), Torge Johannsen (1), Evgni Pevnov (1).
Im Tor: Martin Ziemer (1.-60. mit 8 Paraden davon 1 Siebenmeter).

Spielfilm: 2:0 (5.), 5:1 (10.), 7:1 (15.), 8:4 (20.), 11:6 (25.), 14:9 (30.), 17:10 (35.), 21:15 (40.), 23:19 (45.), 24:23 (50.), 28:25 (55.), 29:29 (60.).

Strafminuten: Rambo (18.), Gullerud (38.) – Pevnov (8.), Christophersen (34.).

Zuschauer: 2.693
Schiedsrichter: Michael Kilp und Christoph Maier

© GWD Minden – lvs

Harting Melitta Porta Möbel e.on GWD Pool
Wago EDEKA Barre Mindener Tageblatt WEZ Gufried Hummel Select HDZ-NRW Stadt Minden AS Sport